Es ist schon bewundernswert, welche Mühen manche Gemeinden auf sich nehmen, um die Verkehrssicherheit in ihrem Bereich zu erhöhen.
Quelle: marktcheck
Es ist schon bewundernswert, welche Mühen manche Gemeinden auf sich nehmen, um die Verkehrssicherheit in ihrem Bereich zu erhöhen.
Quelle: marktcheck
Volker Pispers, gewohnt treffsicher und pointiert über eine Berusfsgruppe, die sich in unseren Breiten geradezu karnickelartig vermehrt – auch mit ähnlichen Folgen.
Rolf Miller berichtet in Neues aus der Anstalt wortgewaltig von Beziehungsproblemen seines Freundes Jürgen.
Gewidmet allen dubiosen, nach Reformen schreienden Journalisten, Politikern, Versicherungskeilern, Professoren von so genannten “unabhängigen Wirtschaftsinstituten” und allen anderen Lügnern, die die Bevölkerung durch Abschaffung der umlagenfinanzierten Rente in die Armut treiben wollen.
Und ein derartiger Soziopath ohne jegliche Emphatie war einmal Minister!
Ob Fleischessen oder Rauchen, ob Alkoholkonsum, Kinderkriegen, Faulsein oder Sex – alles steht inzwischen unter höchst moralischen gesellschaftlichen Vorgaben.
Über die neue Generation faschistoider Mimosen berichtete Kulturzeit in der Reihe Die zehn Verbote – Essay-Reihe über unsere tugendversessene Zeit höchst amüsant und politisch zum Glück vollkommen unkorrekt.
Die einzelnen Teile der Reihe:
Teil 1: Du sollst kein Fleisch essen!
Fleischessen oder nicht? Inzwischen geht es nicht mehr nur um Massentierhaltung oder die Auswirkungen unseres Fleischkonsums auf den Weltagrarmarkt – es geht vor allem um Tugend und Moral.
Teil 2: Du sollst nicht die falschen Worte benutzen!
Wir alle sollen “politsch korrekt” sein. Politische Inkorrektheit ist verpönt.
Teil 3: Du sollst keinem Müßiggang frönen!
Der Kapitalismus atmet den Geist der protestantischen Ethik. Von der Schönheit der Faulheit bleibt da nur zu träumen.
Teil 4: Du sollst nicht rauchen!
Teil 5: Zucker ist des Teufels!
Teil 6: Du sollst Dich nicht sonnen!
Teil 7: Du sollst die Apokalypse nicht leugnen!
Haltet ein! Kehret um! Tuet Buße. Was denn? Ist es das schon? Ist das das Ende? Nein. Aber das dicke Ende kommt bestimmt.
Teil 8: Du sollst nicht kinderlos bleiben!
Gehet heim und mehret Euch! Staatsziel Schwangerschaft!
Teil 9: Hinterfrage nicht die Bilder!
Dabei haben die Bilder im digitalen Zeitalter längst ihre Unschuld verloren.
Teil 10: Du sollst keinen Alkohol trinken!
Und weil wir es selber nicht besser sagen könnten, hier noch einige passende Gedanken von Robert Pfaller aus seinem Buch “Die schmutzige Heilige und die reine Vernunft”.
Insofern gleicht das, was mit dem Spiel in seinen neuen, medialen lntimräumen geschieht, anderen Vorgängen in der Kultur wie zum Beispiel der neuen, schlagartig nahezu selbstverständlich gewordenen Behandlung des Rauchens.
Auch die Tabakkultur wird gegenwärtig ausschließlich unter dem Gesichtspunkt ihrer Schädlichkeit für die Gesundheit als exkrementartiges Ärgernis des Anderen diskutiert und mit entsprechenden Verboten aus dem öffentlichen Raum verbannt.
Dabei wird vergessen, dass das Rauchen ursprünglich Teil der öffentlichen Figur war, nicht der privaten Person. Am Beginn des 20. Jahrhunderts zeigen sich Menschen auf Porträtaufnahmen vorwiegend rauchend – und das, wie man anhand der eigenen Vorfahren im Familienalbum leicht feststellen kann, oft sogar dann, wenn sie sonst gar nicht rauchten. Dieses Verhalten war nicht allein durch die langen Belichtungszeiten bedingt, die kleine rituelle Tricks erforderten, um über längere Zeit eine unverkrampfte Pose zu ermöglichen (was im Übrigen eine beachtliche, nicht zu unterschätzende Funktion des Rauchens darstellt). Es war auch ein Zeichen von Zivilisiertheit: Für die Öffentlichkeit – um anderen gesellig zu erscheinen und ihnen dadurch angenehm zu sein – griffen Menschen zur Tabakware. Rauchen war eine Form der Höflichkeit und diente der Erzeugung eines Hauchs von mondänem Leben an Orten, die auf solchen Status Anspruch machten, wie Restaurants, Cafés und Bars.
Auch diese Höflichkeit aber wird man, wenn die Tyrannen der Intimität sich mit ihren fadenscheinigen medizinischen oder volkswirtschaftlichen (in Wahrheit: biopolitischen) Argumenten durchsetzen, bald, wie die übrigen Spiele, nur noch in Privaträumen ausüben dürfen.
Eine neue Generation faschistoider Mimosen, denen alles zum Ärgernis gereicht, was auch nur entfernt nach Zivilisation oder Intellektualismus riecht, wird es vielleicht erreichen, die öffentlichen Räume gänzlich dem Diktat ihrer reizlosen Intimsphären zu unterwerfen.
Quelle: Robert Pfaller: Die schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Fischer, 2009, S. 109.
Diese Kultur produziert doch eine Reihe massiver asketischer Tendenzen: sie ekelt sich angesichts von Lustformen wie Sex, Rauchen, adult language oder sogar Höflichkeit.
Ist es nicht erstaunlich, in welchem Maß diese Kultur, die sich am Ende der 60er-]ahre noch als eine Kultur der „sexuellen Befreiung“ begriff, seit dem Ende der 90er-Iahre als Kultur der „sexuellen Belästigung“ agiert und empfindet? Ist unsere Lust in der Gegenwartskultur nicht den seltsamsten Restriktionen unterworfen, sodass wir nur noch Kaffee ohne Koffein, Schlagobers ohne Fett und Bier vorzugsweise ohne Alkohol verabreicht?
Und ist es nicht auffällig, dass auf politischer Ebene die Bevölkerungen jene Kürzungen, die ihnen von neoliberalen Regierungen zugemutet werden, nicht nur akzeptieren, sondern dass sie sogar diese Regierungen dafür noch schätzen und aus den radikalsten Protagonisten der Privatisierungen geradezu ihre Lieblinge machen? Beobachten wir nicht soeben das paradoxe Phänomen eines Mangels an Habgier seitens der Massen?
Mit Nietzsche lässt sich erkennen, wie das Ressentiment mit asketischen Idealen zusammenhängt: Die Verlierer von gestern erklären ihre Verluste zu ihren Tugenden und beginnen, in der Abstinenz von Gütern, um die gesellschaftlich gekämpft wird, einen hohen moralischen Wert zu erkennen.
Quelle: Robert Pfaller: Die schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Fischer, 2009, S. 147.
Posted via web from Eduard Weichselbaum on posterous
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