“Großgrün”, “Spontanvegetation” oder “Grunddienstbarkeitsbewilligungserklärung” – wer mit Ämtern zu tun hat, könnte bisweilen daran zweifeln, der deutschen Sprache mächtig zu sein.
“Grunddienstbarkeitsbewilligungserklärung” damit zu tun hat, dass man jemandem erlaubt, ein Grundstück zu überqueren. “Großgrün” sagt man im Amt statt “Baum” und auch das Rätsel um die “Spontanvegetation” löst dieser Sprachführer für Amtsdeutsch.
Bis jetzt war ja nicht ganz klar, warum immer mehr Menschen Leitungswasser im Restaurant verlangen und dann ganz verzückt an ihrem Glas nippen.
Die Bakterien, Rota- und Noroviren im Wasser können ja kaum die Ursache sein. Aber die darin enthaltenen Hormone, Schmerzmittel und Antidepressiva könnten das Phänomen glaubwürdig erklären.
Da stellt sich also ein etwas operettenhaft verkleideter Herr hin und versucht uns weiszumachen, dass neun Schüsse aus einer Glock-Pistole, Kaliber 9mm, notwendig sind, um den Angriff einer psychisch kranken Frau abzuwehren.
Wer schon einmal mit so einer Waffe geschossen hat und ihre verheerende Wirkung kennt, dem fallen dazu nur zwei Möglichkeiten ein: Entweder weiß er es nicht besser, oder er sagt bewußt die Unwahheit. Beides wäre gleich schlecht.
Aber was soll man von einem Mann halten, der sich derart verquerer Formulierungen wie “ununterbrochener Schussabgabeprozess” bedient?
Es ist ja wenig Trost für uns Österreicher, wenn wir sehen, dass auch die deutschen Minister das Ergebnis einer Negativ-Auslese und daher keine großen Leuchten sind. Da hat der Verkehrsminister Probleme mit dem Zahlenraum bis 18, und der Innenminister kann nicht rechnen und versteht eine Ststistik nicht, die er selber in Auftrag gegeben hat.
PRACHT-SCHAU: DIE WUNDER VON KREMS
Über den Glauben an das Unbegreifliche
Viele Griechen erwarten sich gar keines mehr, glaubt man dem Boulevard, dann betet die holländische Königsfamilie um eines — und wenn einem ein blaues angedroht wird, sollte man gewappnet sein.
Die Rede ist von Wundern, jenen mythisch aufgeladenen Ereignissen, die sich rational nicht erklären lassen und gerade in Krisenzeiten boomen – also auch in unserer scheinbar so abgeklärten und durchrationalisierten Welt.
Schlicht mit “Wunder” betitelt ist eine Schau in der Kunst Halle Krems, die sich dem Grenzen sprengenden Begriff vielschichtig über Kunst, Wissenschaft und Religion annähert. Aufgeräumt wird mit dem Aberglauben, nur der grenzenlos naive oder tief religiöse Mensch würde an Wunder glauben. Unbestritten scheint, dass Wunderglaube der Seele guttut, denn wie heißt es in der Bibel: “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben”.
Der kultur.montag berichtet über die Schau mit mehr als 50 aktuellen künstlerischen Positionen und zahlreichen historischen Exponaten und fragt nach, was es auf sich hat: mit Weltwundern, Wunderkindern, Wundertüten – oder Wonderbras.